Warum ist es notwendig, die Temperatur von kalziniertem Koks in großen Mengen auf dem Seeweg vor dem Verladen auf das Schiff zu kontrollieren?

Kalzinierter Petrolkoks (kalziniert oder unkalziniert) muss vor dem Verladen auf seine Temperatur geprüft werden, da er gemäß IMSBC-Code als festes Schüttgut der Gruppe B mit Selbstentzündungs- und Erhitzungsgefahr eingestuft ist. Unkontrollierte Temperaturen können Brände oder sogar Explosionen auslösen. Daher legt der Code klare Grenzwerte für die Verladetemperatur fest.


1. Kernrisiko: Selbsterhitzung → Spontane Entzündung → Brand

Obwohl kalzinierter Koks bei 1200–1350 °C verarbeitet wird und nur sehr geringe Mengen flüchtiger Bestandteile enthält, weist unkalzinierter oder nur teilweise kalzinierter Petrolkoks noch geringe Mengen brennbarer flüchtiger Bestandteile und reaktiven Schwefels auf. Im aufgeschütteten Zustand unterliegen diese Substanzen langsamen Oxidationsreaktionen mit dem Luftsauerstoff. Kann die entstehende Wärme nicht rechtzeitig abgeführt werden, sammelt sie sich kontinuierlich im Inneren des Schüttguts an und führt zu einem stetigen Temperaturanstieg – dies wird als Selbsterhitzung bezeichnet. Sobald die Temperatur den kritischen Punkt überschreitet, kommt es zur Selbstentzündung.

Die Selbsterhitzung führt außerdem zu zwei sekundären Katastrophen: Erstens verbraucht sie Sauerstoff im Laderaum und setzt giftige Gase wie Kohlenmonoxid frei, wodurch die Sicherheit des Personals gefährdet wird; zweitens produziert sie große Mengen korrosiver Gase wie Schwefeldioxid, die die Schiffsstruktur beschädigen.


2. Anforderungen an die Temperaturkontrolle gemäß dem IMSBC-Code (Verbindliche Regeln)

Laut derInternationaler Code für die Beförderung fester Massengüter mit Seeschiffen(IMSBC-Code) und die Umsetzungsanforderungen ChinasVorschriften für die Sicherheitsüberwachung und -verwaltung von festen Massengütern auf dem SeewegFür die Temperaturkontrolle von Petrolkoks in großen Mengen gelten folgende feste Regeln:

1) Obere Temperaturgrenze für die Beladung: darf 107 °C nicht überschreiten

Der Kodex legt ausdrücklich fest: Ladungen mit einer Temperatur über 107 °C dürfen nicht verladen werden. Dies ist eine absolute Grenze, die unter keinen Umständen überschritten werden darf.

2) Referenztemperatur für die Beladung: nicht höher als „Umgebungstemperatur + 10 °C“ oder 55 °C (je nachdem, welcher Wert niedriger ist).

Die Beladung ist nur zulässig, wenn die Ladungstemperatur maximal 10 °C über der Umgebungstemperatur oder maximal 55 °C beträgt – je nachdem, welcher Wert niedriger ist. Das bedeutet, dass in heißen Jahreszeiten (z. B. im Sommer, wenn die Decktemperaturen 50 °C übersteigen können) die Ladungstemperatur vor der Beladung noch weiter gesenkt werden muss.

3) Anforderungen an die mehrschichtige Beladung von Hochtemperaturgütern

Beim Verladen von Ladung mit einer Temperatur von 55 °C oder mehr und einer Ladetiefe von mehr als 1,0 Metern muss vor dem Aufladen des heißen Materials eine 0,6–1,0 Meter dicke Schicht aus kaltem Material mit einer Temperatur von maximal 44 °C als „Isolierschicht“ aufgebracht werden. Dies verhindert, dass die Wärme des heißen Ladungshaufens nach oben abgeleitet wird und angrenzende Abteile entzündet oder die Schiffsstruktur beeinträchtigt.

4) Besondere Anforderungen an die Beladung von Heizöltanks

Befindet sich der Laderaum direkt über einem Flüssigguttank mit Heizöl, dessen Flammpunkt unter 93 °C liegt, muss vor dem Aufbringen von heißem Koks über 55 °C zunächst eine mindestens 0,6 Meter dicke und maximal 44 °C warme Schicht geladen werden. Dies verhindert, dass Wärme durch die Tankwand geleitet wird und die Kraftstoffdämpfe im Tank entzündet.

5) Der Kapitän muss in der Nähe der Laderäume Schilder mit der Aufschrift „Warnung vor hoher Temperatur“ anbringen.

Dies ist eine zwingende Vorgabe, die sicherstellen soll, dass alle Besatzungsmitglieder und das Notfallpersonal sofort wissen, dass in dem Abteil ein Hochtemperaturrisiko besteht.


3. Warum die „Temperaturkontrolle“ wichtiger ist als andere Maßnahmen

Betrachtet man tatsächliche Unfälle, so sind die meisten Seeunfälle mit Petrolkoks nicht auf Probleme während des Transports zurückzuführen – die Gefahr besteht bereits beim Verladen. Sind die Ladungshaufen im Terminal zu lange starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, können die Innentemperaturen leicht auf 80–100 °C oder sogar darüber ansteigen. Bei dieser Temperatur, unzureichender Belüftung während der Reise und fehlender Wärmeabfuhr kann die Ladung innerhalb weniger Tage die Zündgrenze überschreiten.

Daher ist die Kontrolle der Ladetemperatur der effektivste Weg, die Kettenreaktion der Selbsterhitzung an der Quelle zu unterbrechen. Die Logik des Codes ist eindeutig: Anstatt zu versuchen, den Laderaum abzukühlen, abzudichten und Personal mit Atemschutzgeräten zur Brandbekämpfung auf See einzusetzen (was enorme Kosten und extreme Risiken mit sich bringt), ist es weitaus besser, die Temperatur unter die Sicherheitsgrenze zu senken, bevor die Ladung überhaupt an Bord geht.


4. Zusammenfassung in einem Satz

Bei kalziniertem Petrolkoks in großen Mengen ist vor dem Verladen eine Temperaturkontrolle erforderlich, da er Selbsterhitzungs- und Selbstentzündungseigenschaften aufweist. Der IMSBC-Code legt eine absolute Leerlauftemperatur von 107 °C, einen Verladezustand von 55 °C / Umgebungstemperatur + 10 °C sowie eine obligatorische mehrlagige Isolierung für Hochtemperaturgut fest – all dies dient dazu, Brände im Laderaum, giftige Gase und Sauerstoffmangelkatastrophen bereits beim Verladen zu vermeiden.


Veröffentlichungsdatum: 14. Mai 2026